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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

WeinbaustandortViewer

Mit den strukturierten, blattschnittübergreifenden Bodenflächendaten Weinbau 1:5.000 konnte neben dem Kartenwerk auch ein Auskunftssystem für das Internet aufgebaut werden. Der WeinbaustandortViewer Hessen bietet dabei die Möglichkeit, räumliche und inhaltliche Abfragen zu stellen und die Ergebnisse graphisch auf dem Bildschirm oder als Karte auszugeben.

Neben den Bodenflächendaten stehen Weinbaudaten zur Lage, Großlage und Bestockung sowie unterschiedliche Geobasisdaten wie Gemarkungsgrenzen, topographischer Hintergrund oder Luftbilder zur Verfügung. Das Info-System bietet dem Anwender zunächst einen flächenhaften Einblick in den Aufbau und die Eigenschaften der Weinbergsböden. Von einer Übersicht der Weinbaugebiete kann sich der Nutzer bis zu einem Wingert hineinzoomen und die unterschiedlichen Themen und Hintergrundinformationen darstellen. Gleichzeitig kann der Standortviewer aber auch als Beratungssystem für die Auswahl geeigneter Unterlagen genutzt werden (FRIEDRICH et al. 2008). Nach Auswahl des Edelreises, Pflanzabstand und ggf. geplanter Begrünung kann eine Fläche angeklickt werden, und das System ermittelt die für den Standort geeigneten Unterlagen. Die Ergebnisse dienen der Orientierung für den Winzer und der Weinbauberatung, sind aber hinsichtlich der Plausibilität noch zu prüfen, da Bodenüberprägungen an den einzelnen Standort bisher nicht berücksichtigt sind. Der WeinbaustandortViewer wird im Rahmen des Geo- Basis- Projektes des Umwelt-Ressorts angeboten.


Der Zugang mit ausführlicher Dokumentation findet sich unter: http://weinbaustandort.hessen.de.


Eine ausführliche Anleitung zur Nutzung des WeinbaustandortViewers ist unter der Web-Adresse http://www.hlnug.de/medien/boden/fisbo/weinbau/hilfe/wsv_hilfe.pdfzu finden.

Anbauempfehlung für Unterlagen

Das Thema Bodenausprägung und Unterlagenwahl ist seit Jahrzehnten ein etabliertes Arbeitsgebiet in der Rebenzüchtung und Bestockungsberatung. In Hessen findet die Unterlagenempfehlung ihren Ursprung in der Standortkartierung, die bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts zurückreicht. Für die standortgerechte Bestockung wurden Planungsgrundlagen schon 1947 durch eine systematische Bodenkartierung der Weinbaugebiete von Hessen im Maßstab 1:2.000 bis 1:2.500 erstellt. Parallel wurden für die Praxis anwendbare Bewertungsschemata aus den damaligen Adaptionsprogrammen zur Bodenverträglichkeit der wichtigsten Unterlagensorten zusammengestellt (BECKER et al. 2004). Die Wahl falscher, für den Standort ungeeigneter Unterlagen und die damit verbundenen Probleme sind jedoch nach wie vor weit verbreitet. Es bedarf also detaillierter Standortdaten und eine auf die spezifische Anbauausrichtung zugeschnittene Beratung. Weiterhin gilt es neu gezüchtete Unterlagen entsprechend des angestrebten Edelreises, des Anbausystems und der Standortverhältnisse zu bewerten. Der WeinbaustandortViewer Hessen repräsentiert ein Werkzeug zur Ermittlung standortgeeigneter Unterlagen unter Beachtung eines bevorzugten Standraumes der Reben und verschiedenen Begrünungsvarianten.


1. Einstufung der standortgerechten Unterlagenempfehlung


Die EDV-technische Aufarbeitung der bodenkundlichen Weinbergsbodenkartierung im Rahmen der Bodenflächendaten 1:5.000 bietet die Möglichkeit einer großmaßstäbigen und flächendeckenden Auswertung.  Zu diesem Zweck wurden auf Basis der Legendendaten zwei Schemata als Gemeinschaftsprojekt der Forschungsanstalt Geisenheim, Regierungspräsidium Darmstadt - Weinbauamt Eltville und dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie entwickelt (Meschede et al. 2005). Mit dessen Hilfe lässt sich die Eignung verschiedener Pfropfkombinationen bei kategorisierten Standortfaktoren in einer vierstufigen Skala bewerten. Die Auswahl einer geeigneten Unterlage hat dabei grundsätzlich zum Ziel:

  • hohe Weinqualität
    • gesundes Lesegut
    • gute Mostgewichte
  • ausgeglichene Erträge
  • der Erziehungsart angepasste Wüchsigkeit
  • lange Standzeit der Anlage 


Eine Auswahl von Unterlagen kann auch speziellen strategischen Zielen des Winzers dienen, um den Most- /Weincharakter bewusst in eine spezielle Richtung zu lenken oder eine spezifische Nische zu besetzen. Hier kann die Auswertung ebenfalls eine Orientierung bieten. Die Standortkundliche Bewertung erfolgt in 2 Schritten. Die Grundlage des ersten Schemas in Abb. 1 basiert auf der Ableitung der nutzbaren Feldkapazität (nFK, die im Boden gegen die Schwerkraft gebundene, pflanzenverfügbare Wassermenge). Der Wasserhaushalt beeinflusst maßgeblich die Wüchsigkeit der Rebsorten. Ein ausreichend mit Wasser versorgter tiefgründiger Lehmboden verstärkt die Wüchsigkeit. Gleichfalls unterscheiden sich die einzelnen Rebsorten in ihrer Wuchsleistung. Stark wüchsige Sorten bedingen auf Standorten mit einer hohen nFK ein zu starkes Holzwachstum der Pfropfrebe und verursachen damit den Aufwand für die Laubarbeiten und erhöhen das Infektionsrisiko z.B. für Pilzbefall.

Unterlagensorten sowie Edelreise sind in unterschiedlichem Maße kalkempfindlich, die Burgundersorten z.B. stärker als der Riesling. Dabei führen höhere Kalkgehalte des Bodens häufig erst in Verbindung mit dem Auftreten von Staunässe zu einer Störung des Stoffhaushaltes der Rebe, wie z.B. der Eisenmangelchlorose. Besonders betroffen hiervon ist die aufgrund ihrer weitgehenden Reblausresistenz beliebte Börner-Unterlage. In einem zweiten Schema wird daher die Kalk- und Staunässeverträglichkeit der Pfropfkombinationen bewertet (vgl. Abb. 2). 

Um die Bestimmung einer standortgeeigneten Unterlage im Hinblick auf den Boden und die verwendete Edelreissorte unter Berücksichtigung von Bewirtschaftungsfaktoren wie Standweite und Begrünung zu erleichtern, wurde eine Gesamtbewertung aus beiden oben beschriebenen Schemata für die wichtigsten Edelreis-Unterlagssorten- Kombinationen entwickelt.


Da bei der Neuanlage eines Weinberges neben der Ertragssorte die Form der Bodenpflege und die gewünschten Standorte im Vorhinein feststehen sollten, werden diese in der Anwendung als Auswahlparameter defininiert. Es wird also die Eignung einer Pfropfkombination bei bestimmten Bewirtschaftungsfaktoren unter den gegebenen Bodenverhältnissen bestimmt und als Ergebnis dargestellt. Die Gesamtbewertung für einen Standort erfolgt durch Addition der Werte aus beiden Schemata. Weist eine Pfropfkombination dabei mindestens in einer der beiden Matrizen ein '-' bzw. 'o' auf, so wird sie für den entsprechenden Standort auch insgesamt als nicht geeignet eingestuft. Dementsprechend gilt: je größer die errechnete Summe, desto besser die Standorteignung. Die bestmögliche Eignung weisen Edelreis- Unterlagssorten-Kombinationen mit sechs Punkten auf.


Handhabung des Viewers für die Auswahl der standortgerechten Eignung von Unterlagen

Mit dem WeinbaustandortViewer der 2. Auflage wurde die Abfrage der Anbaueignung von Unterlagen für Riesling und Burgunder stark vereinfacht. Nach Auswahl des Themas „Anbaueignung“ (offenes Auge im Themenmenue rechts) kann für jeden Weinbaustandort die Unterlageneignung für Riesling und Burgunder abgefragt werden. Das Thema ist erst ab einem Maßstab 1 : 10.000 sichtbar und auswählbar. Navigieren Sie mit der Maus an die entsprechende Stelle und klicken sie mit der linken Maustaste (einfach-Klick; doppel-Klick bewirkt einzoomen!).

Es erscheint ein Popup-Fenster, das die geeigneten Unterlagssorten getrennt nach Edelreis, Pflanzabstand und Begrünung anzeigt. Unterschieden werden derzeit: 

  • Rebsorte
    • Weißer Riesling
    • Blauer Spätburgunder
  • Pflanzdichte:
    • Dichtpflanzung
    • Normalanlage
    • Weitraumanlage
  • Beabsichtigte Bodenbearbeitung
    • unbegrünt
    • Dauerbegrünung

Neben der Unterlagenempfehlung werden zusätzlich die für eine Standortbewertung maßgeblichen Bodenkennwerte der ausgewählten Fläche dargestellt. Bei der Betrachtung einer Rebfläche ist darauf zu achten, dass hier unterschiedliche Standortverhältnisse vorliegen können und dadurch auch unterschiedliche Empfehlungen zum Tragen kommen. Gemäß der Flächenanteile und der Einschätzung der Substrate nach Geländebefund ist dann eine einheitliche oder ggf. auch differenzierte Bestockung anzustreben.