Große Drüsenameise (Tapinoma magnum)
Die aus dem Mittelmeerraum stammende Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) breitet sich seit einigen Jahren in Deutschland aus und kommt mittlerweile auch in Hessen vor. Der primäre Einschleppungsweg ist der Pflanzenhandel – durch den Verkauf südländischer Topfpflanzen ist sie nach Deutschland gekommen.
Mit einer Vielzahl an Königinnen bildet Tapinoma magnum unterirdische Superkolonien und bevölkert riesige Flächen. Wo sie auftritt, kann sie hohe Schädlingsbekämpfungs- sowie Infrastrukturerhaltungskosten verursachen.
Aus diesem Grund starteten wir (mit Unterstützung des HMLU) einen Bestimmungsservice – Bürgerinnen und Bürger können bei Verdacht eines Tapinoma magnum-Vorkommens Ihre Sichtung über unser Meldeportal einsenden. Die Bestimmung der Art erfolgt durch Expertinnen und Experten der Entomologie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt.

Tapinoma magnum
Wie lässt sich die Große Drüsenameise bestimmen?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass es sich bei Ihrem Fund um eine Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) handelt, können Sie diese selbst als Laie bei genauem Hinsehen von den meisten heimischen Ameisenarten unterscheiden. Gehen Sie bei einem Verdachtsfall bitte wie folgt vor:
- Verdacht prüfen (Anleitung siehe unten)
- Bei Verdachtsbestätigung Meldung abgeben
Rückmeldung abwarten
1. Verdacht prüfen
Machen Sie Fotos von den gesichteten Tieren
Machen Sie bitte verschiedene Aufnahmen der Tiere und beachten dabei bitte folgende Aspekte:
Sie sollten mindestens ein Bild der Kolonie erstellen, am besten eines von Nahem und eines, welches einen größeren Ausschnitt der Kolonie zeigt
Ein Foto des Effekts der Ameisen (z.B. Sandauswurf)
Locken Sie die Ameisen mit einem Zuckerangebot (z. B. Zuckersirup) auf ein ca. 5 cm großes Stück Papier, das Sie nah an einem Nesteingang oder einer Ameisenstraße auf den Boden legen. Nach 10-20 Minuten sammeln sich dort meist mehrere Tiere. Mit einem Lineal als Maßstab lassen sich dann Fotos aus verschiedenen Perspektiven machen, um Details wie Körpermerkmale genauer zu untersuchen
Gleichen Sie Ihre Beobachtungen und Fotos mit den folgenden vier Punkten ab
Verhalten: Im Sommer bildet diese Ameisenart teils breite, mehrspurige Ameisenstraßen. Die Arbeiterinnen sind sehr zahlreich und die Nester kommen auf großen Flächen vor. Bei Störung strömen die Arbeiterinnen sehr schnell und zahlreich aus dem Boden an die Erdoberfläche. Der Auswurf von Erdreich um die Nesteingänge herum ist auffällig und wird in den betroffenen Gebieten als „eindeutig nicht normal“ beschrieben.
Farbe und Größe: Tapinoma magnum ist komplett schwarz gefärbt, ohne bräunliche Färbung an einzelnen Körperteilen. Entgegen des wissenschaftlichen Namens (magnum = groß) sind die Arbeiterinnen (das sind die Ameisen, die außerhalb des Nestes herumlaufen) nur zwischen etwa 2-5 mm groß und treten in vielen verschiedenen Größen gemeinsam auf.

A) Myrmicinae (2 Knoten, Petiolus und Postpetiolus), B) Formicinae (deutlich sichtbare, große Schuppe), C) Dolichoderinae (Dolichoderus quadripunctatus, ein Knoten), D) Ponerinae (Schuppe idR sehr groß), E) Lasius fuliginosus (kleine, aber erkennbare Schuppe), F) Tapinoma magnum (Knoten klein und flach, mit bloßem Auge kaum erkennbar).
Körperbau: Ein wichtiges Erkennungsmerkmal bei Ameisen ist der Knoten zwischen Vorder- und Hinterleib (teils auch als zwei Knoten oder Schuppe ausgeprägt). Bei Tapinoma ist dieser Knoten flach und vom Hinterleib verdeckt, während er bei anderen Gattungen deutlich sichtbar ist. Beispiele für Knoten bei einigen der Ameisen-Unterfamilien zeigen die Abbildungen A-E, die Pfeile zeigen jeweils auf den/die Knoten. Abbildung F zeigt im Vergleich dazu Tapinoma magnum.
A) Myrmicinae (2 Knoten, Petiolus und Postpetiolus),
B) Formicinae (deutlich sichtbare, große Schuppe),
C) Dolichoderinae (Dolichoderus quadripunctatus, ein Knoten),
D) Ponerinae (Schuppe idR sehr groß),
E) Lasius fuliginosus (kleine, aber erkennbare Schuppe),
F) Tapinoma magnum (Knoten klein und flach, mit bloßem
Auge kaum erkennbar).
Geruchstest: Wird eine Ameise vorsichtig reizt, verströmt sie einen intensiven Geruch, der nur schwer mit bekannten Gerüchen vergleichbar ist.
2. Bei Verdachtsbestätigung Meldung abgeben
Kriterien treffen nicht zu: | Kriterien treffen zu: | |
In diesem Fall haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine der 120 anderen in Deutschland vorkommenden Ameisenarten vor sich, welche wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems sind. | Es ist wichtig, diese Bestimmung nochmal von Expertinnen und Experten bestätigen zu lassen. Daher bieten wir einen Bestimmungsservice für diese Ameisenart an. Bitte melden Sie Ihre Sichtung mit Fotos auf unserem Meldeportal.
! Wichtig: Bitte senden Sie die von Ihnen zur Bestimmung erstellten Bilder über unser Meldeportal mit. |
3. Rückmeldung abwarten
Nachdem Ihre Meldung bei uns im Meldeportal eingegangen ist, wird diese von Expertinnen und Experten des Senckenberg Museums geprüft. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden wir Kontakt zu Ihnen aufnehmen, um gegebenenfalls weitere Schritte zu besprechen. Dies kann bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen.
Vom Privat-Einsatz von Insektiziden wird abgeraten, besonders bei bereits großen, etablierten Superkolonien. Hier gelingt es mit lokalem Gifteinsatz meist nicht, ganze Kolonien dauerhaft zu beseitigen. Zusätzlich können unsachgemäß ausgebrachte Insektizide in Innenräumen die Gesundheit gefährden. Im Garten treffen sie nicht nur die Zielart, sondern können auch zahlreiche nützliche Ameisen- und andere Insektenarten schädigen und die Umwelt stark belasten, etwa durch Verunreinigung des Grundwassers. Eine Bekämpfung mit Insektiziden gehört daher in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer.
Bilder und Inhalte vom Naturkundemuseum Stuttgart








