
Passives akustisches Monitoring in den hessischen Vogelschutzgebieten

Die Staatliche Vogelschutzwarte Hessen startet ein langfristig angelegtes Projekt zur flächendeckenden akustischen Erfassung von Vogelarten in den hessischen Vogelschutzgebieten. In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen verschiedener ornithologischer Forschungs- und Entwicklungsprojekte passive akustische Monitoringsysteme (PAM) erprobt, evaluiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Aufbauend auf diesen Erfahrungen werden diese Systeme nun erstmals systematisch für das Monitoring in allen hessischen Vogelschutzgebieten eingesetzt.
Ziel des Monitorings ist die Überwachung der gebietsrelevanten Vogelarten sowie die Gewinnung belastbarer Bestandsdaten, um letztlich deren Erhalt und die Erhaltung ihrer Lebensräume zu gewährleisten. Die gewonnenen Daten liefern eine fundierte Grundlage für naturschutzfachliche Bewertungen, für das Management der Schutzgebiete sowie für nationale und internationale Berichtspflichten.
Projektumfang und Laufzeit
Ab März 2026 bis einschließlich 2031 setzt die Staatliche Vogelschutzwarte in allen 60 hessischen Vogelschutzgebieten automatische akustische Erfassungssysteme zur Aufnahme von Vogelstimmen ein. Das Monitoring ist als langfristiges, mehrjähriges Vorhaben konzipiert, um sowohl kurzfristige als auch langfristige Bestandstrends und Populationsentwicklungen zu erfassen.
Dabei kommen zwei unterschiedliche Systemtypen zum Einsatz, die sich in ihrer Funktion und ihrem Einsatzbereich ergänzen:
Stationäre akustische Erfassungssysteme (trackIT):
Es werden 65 dauerhafte Standorte mit Geräten der Firma trackIT ausgestattet. Diese Systeme verbleiben über den gesamten Zeitraum von 2026 bis 2031 kontinuierlich im Gelände und ermöglichen eine dauerhafte, vergleichbare Datenerhebung.
Mobile akustische Erfassungssysteme (Songmeter):
Zusätzlich werden diejenigen Vogelschutzgebiete, die im Rahmen des sechsjährigen SPA-Monitoring-Turnus intensiver untersucht werden, mit insgesamt 129 sogenannten Songmetern ausgestattet. Diese Geräte werden jährlich zwischen verschiedenen Gebieten umgesetzt und dienen als ergänzende, verdichtende Datenquelle im Rahmen der turnusmäßigen Untersuchungen.
Eingesetzte Technik
Bei den stationären Audioerfassungssystemen der Firma trackIT handelt es sich um autark arbeitende Geräte mit externer Stromversorgung. Sie benötigen nur wenig Platz und werden bodennah installiert. Durch ihre dauerhafte Installation ermöglichen sie eine kontinuierliche Datenerhebung über mehrere Jahre hinweg. Weiterführende Informationen zur Technik finden Sie unter: https://trackit.systems/akustische-erfassung/
Die Songmeter sind deutlich kleiner mit einem internen Speichermedium. Sie werden an Bäumen oder geeigneten Strukturen befestigt. Die Geräte verbleiben in der Regel nach der Brutzeit, gegebenenfalls noch während der Zugzeit, im Vogelschutzgebiet, werden jedoch spätestens vor Beginn des Winters wieder geborgen.

Standortauswahl und Umsetzung vor Ort
Bei der Auswahl der Standorte wurden neben der Lage innerhalb der Vogelschutzgebiete insbesondere Flächen im Staatswald, bestehende Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie besondere Untersuchungsflächen innerhalb der Vogelschutzgebiete berücksichtigt. Die Standortauswahl erfolgte zudem rasterbasiert, um eine hohe Vergleichbarkeit mit bestehenden Kartierungen sicherzustellen.
Falls Sie wegen eines Geräts mit uns Kontakt aufnehmen möchten, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an vogelschutzwarte[at]hlnug.hessen.de oder kontaktieren Sie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen über die Kontaktangaben der Teamseite.
Nutzung der Daten
Die erhobenen Daten unterstützen das Management der Vogelschutzgebiete, werden zur Festlegung und Überprüfung von Erhaltungszielen in EU-Vogelschutzgebieten hinzugezogen und sind fester Bestandteil der Berichtspflichten im Rahmen des Natura-2000-Netzwerks. Darüber hinaus dienen sie der Bewertung von Bestandsentwicklungen, des Erhaltungszustands gefährdeter Vogelarten sowie der Wirksamkeitskontrolle von Schutzmaßnahmen. Die Ergebnisse ermöglichen belastbare Aussagen zu Bestandstrends und liefern eine fachliche Grundlage für politische Entscheidungsprozesse sowie die nationale und internationale Berichterstattung.

Datenauswertung
Die im Rahmen des passiven akustischen Monitorings gewonnenen Audioaufnahmen werden nach dem Einsatz der Geräte systematisch ausgewertet. Zunächst werden die Rohdaten gesichert, strukturiert und für die Analyse aufbereitet. Die Auswertung erfolgt in mehreren Schritten und kombiniert automatisierte Verfahren mit fachlicher Kontrolle durch das Team der Vogelschutzwarte.
Zur Identifikation von Vogelarten werden spezialisierte Analyseprogramme eingesetzt, die Vogelrufe und -gesänge anhand ihrer akustischen Merkmale erkennen. Diese automatisierten Detektionen ermöglichen es, große Datenmengen effizient zu verarbeiten. Da automatische Verfahren jedoch Fehlzuordnungen enthalten können, werden die Ergebnisse durch gezielte Stichproben und fachliche Validierungen überprüft und abgesichert.
Auf diese Weise entstehen belastbare Artnachweise, die räumlich und zeitlich ausgewertet werden können. Die Analyse berücksichtigt unter anderem die Häufigkeit von Nachweisen, Aktivitätsmuster im Tages- und Jahresverlauf sowie Veränderungen über mehrere Jahre hinweg.
Die Staatliche Vogelschutzwarte bedankt sich bei allen Akteuren für die Unterstützung bei der Umsetzung des Monitorings und steht für Rückfragen zu technischen Aspekten oder zu einzelnen Standorten jederzeit zur Verfügung.

