Goldschakal

Der Goldschakal ist in Hessen bisher ein sehr seltener Gast. Nach vereinzelten Nachweisen zwischen 2015 und 2020 im Vogelsberg, wurde im Jahr 2023 ein Canis aureus - so sein wissenschaftlicher Name - im Main-Kinzig-Kreis nachgewiesen. Deutschlandweit gelangen im vergangenen Monitoringjahr (zwischen 01.05.2024 und 30.04.2025) insgesamt 141 Goldschakalnachweise, davon der weit überwiegende Teil in Baden-Württemberg (110). Dort wurde sogar bereits zweimal Reproduktion bestätigt.
Zuletzt konnte ein Fotofallennachweis vom Dezember 2025 in der Bergstraße bestätigt werden, allerdings ist nicht bekannt, ob das Tier weiterzog oder sich noch in der Region aufhält.
Helfen Sie uns mehr über die Verbreitung und Häufigkeit des Goldschakals in Hessen zu erfahren und melden Sie uns Ihre Beobachtung.

Merkmale: Der Goldschakal ist neben dem Wolf der zweite heimische Vertreter der Gattung Canis, er nimmt hinsichtlich des Aussehens eine Mittelstellung zwischen Wolf und Fuchs ein. Das durchschnittliche Gewicht beträgt 7-15 kg bei einer Schulterhöhe von 44-50 cm.
Vorkommen und Ausbreitung: Die ursprüngliche Heimat des Goldschakals erstreckt sich von Südasien bis Südosteuropa. Vom Balkan aus weitet er sein Siedlungsgebiet nun bis nach Mitteleuropa aus. Dabei erschließt er sich neue Vorkommensgebiete auf natürliche Weise, ist also nicht angesiedelt worden. Aus Tschechien, Polen, Österreich und auch aus Deutschland ist in zwischen Reproduktion bekannt.
Goldschakale bevorzugen lichte Wälder, verbreiten sich gern entlang von Flussauen und nutzen Feuchtgebiete mit Schilf als Deckung. Sie sind sehr anpassungsfähig, so dass auch Agrarflächen und Offenland durchquert werden. Wichtige Faktoren für einen geeigneten Lebensraum für den Goldschakal sind das Vorhandensein von genügend Nahrung und von ausreichend Deckung. In Gebieten mit langer Schneebedeckungsdauer wie den Alpen fehlt die Art.
Ökologie/Nahrungsbedarf: Goldschakale leben territorial entweder solitär, als Paar oder in einem flexiblen Sozialsystem miteinander verwandter Tiere (Familienrudel). Kleinere Beutetiere wie Nagetiere, Hasenartige oder Vögel werden bevorzugt, aber auch Amphibien oder Reptilien werden nicht verschmäht. Magenanalysen zeigen, dass in manchen Regionen sogar Pflanzen auf dem Speiseplan stehen. Im Rudel oder als Paar erlegen Goldschakale auch wildlebende Huftiere, wobei deren Jungtiere bevorzugt erbeutet werden. In Ausnahmefällen wagen sich Goldschakale auch an kleinere Nutztiere wie Schafe heran.
Beobachtungen aus Regionen mit flächendeckender Wolfsbesiedlung zeigen, dass der Goldschakal durch den Wolf verdrängt werden kann.
Fortpflanzung: Goldschakale leben monogam, d.h. Paare bleiben i.d.R. lebenslang zusammen. Die Paarungszeit erstreckt sich von Januar bis März, das Weibchen bringt nach 63 Tagen in Durchschnitt 2-4 Welpen (1-6) zur Welt. Die Welpen sind bei Geburt 200 bis 250 g schwer und werden in gut geschützten Bauen bis zu 8 Wochen gesäugt. Im zweiten Lebensjahr werden die Jungen geschlechtsreif. Meist verlassen sie dann die Eltern und können einzelgängerisch mehrere hundert Kilometer weit wandern. Teilweise bleiben sie jedoch im Elternterritorium und unterstützen die Eltern bei der Aufzucht der nächsten Generationen.
Da der Goldschakal eine Mittelstellung zwischen Wolf und Fuchs einnimmt, wird er häufig mit diesen verwechselt. Dabei ähnelt seine gelblich bis ockergraue Färbung, die bis zur Schwanzspitze mit dunklen Grannenhaaren durchsetzt sein kann, eher dem Wolf wobei er aber nur unwesentlich größer ist, als ein Fuchs.
In Hessen wurden seit dem Jahr 2015 wenige Einzelnachweise von Goldschakalen dokumentiert:
- 13.08.2015, Foto, Vogelsbergkreis
- November 2019, Fotos, genetischer Nachweis, Vogelsbergkreis
- zwischen Februar 2020 und März 2020 weitere Fotos im Vogelsbergkreis
- 14.10.2023, genetischer Nachweis im Main-Kinzig-Kreis
- 06.12.2025, Fotos im Landkreis Bergstraße
Im Zeitraum von November 2019 bis März 2020 wurde im Vogelsbergkreis mehrfach ein Goldschakal nachgewiesen, der auch genetisch erfasst werden konnte. Es handelte sich um ein männliches Tier, was sich im Territorium der dort damals ansässigen Wölfin im Gebiet um Ulrichstein aufhielt. Obwohl es Belege gibt, dass Goldschakale von Wölfen eher verdrängt werden, erschien es im Vogelsberg so zu sein, dass der Goldschakal-Rüde von der Anwesenheit der Wölfin profitierte. Es wurden beide Tiere mit einigen Stunden Abstand an einem Wildtierriss von einer Kamera registriert. Möglicherweise trat der Goldschakal als Nachnutzer am Riss der Wölfin auf. Ab April 2020 konnte der Goldschakal nicht mehr nachgewiesen werden, der letzte Nachweis der territorialen Wölfin stammt vom August 2020. Der Verbleib beider Tiere bleibt unklar.
Das aktuelle Foto vom 06.12.2025 entstand mit Hilfe einer Fotofalle von Herrn Ruiz Lorbacher auf seinem Grundstück bei Bensheim im Landkreis Bergstraße. Das Tier auf dem Foto hat eine wolfsähnliche Färbung, ist aber kurzbeiniger und wirkt insgesamt gedrungener als ein Wolf. Auch charakteristisch ist der kräftige und buschige Schwanz.
Ob dieses Tier sich weiterhin in der Region aufhält oder bereits weitergezogen ist, ist unbekannt.






