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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

UNESCO Weltkulturerbe Mittelrheintal

Als Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal wurde der Flussabschnitt von Bingen bis Koblenz 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Als Nationaler Geotop Mittelrhein wird der 130 Kilometer lange Flussabschnitt zwischen der Mündung der Nahe bei Bingen und derjenigen der Sieg gegenüber von Bonn bezeichnet. Lediglich der rechtsrheinische Abschnitt von Rüdesheim/Bingen bis nördlich von Lorch (ca. 14 km) gehört zu Hessen.

Der Rhein durchfließt das Rheinische Schiefergebirge mit Hunsrück und Eifel im Westen sowie Taunus, Westerwald und Siebengebirge im Osten und wird im Süden vom Mainzer Becken am Nordende des Oberrheingrabens und im Norden von der Kölner Bucht begrenzt.

Aufgrund der natürliche Schönheit sowie des kulturellen Reichtums dieser außergewöhnlichen Landschaft ist das Mittelrheintal seit dem 19. Jahrhundert Touristenmagnet und Inbegriff der Rheinromantik.

Der Rheinsteig (rechtsrheinisch) und der Rheinburgenweg (linksrheinisch) sowie zahlreiche weitere Prämienwege und Geopfade (z.B. der Historienweg Rüdesheim – Assmannshausen – Aulhausen, sowie der Geologische Rundwanderweg Lorch) führen an zahlreichen Klippen, Gesteinsaufschlüssen und Einzelgeotopen vorbei und eröffnen immer wieder grandiose Ausblicke auf das Rheintal.

Die im Mittelrheingebiet zutage tretenden Gesteinsschichten spiegeln eine Geschichte von ca. 435 Millionen Jahren wider.

Die ältesten Gesteine, Quarzkeratophyre, bilden unter anderem die Kraus-Aue bei Rüdesheim (Sommermann et al. 1992), die bei Niedrigwasser aus den Fluten hervorragt. Am weitesten verbreitet und mit mehr als 10.000 Metern Mächtigkeit sind die devonischen Gesteine wie Tonschiefer, Quarzite und quarzitische Sandsteine mit zwischengelagerten Kalksteinen und Porphyroiden. Sie wurden in einem Meeresbecken, dem sogenannten Rheinischen Trog, abgelagert (Anderle 2008, Meyer & Stets 1996).

Im Zuge der variszischen Gebirgsbildung im Karbon wurden die Ablagerungen eingeengt, aufgefaltet und einzelne Gesteinspakete als Schuppen über andere Gesteinsschichten geschoben. Die südwest-nordost-streichenden Großeinheiten Vordertaunus, Taunuskamm und Hintertaunus entstanden. Während der Faltung wurden vor allem die tonigen, feinkörnigen Gesteine geschiefert, d.h. es bildeten sich engscharige parallele Flächen im Gestein (Schiefergebirge!).

An einigen Stellen drangen infolge der Druck- und Temperaturerhöhung bei der Einengung der Gesteinspakete heiße wässrige Lösungen ein, die Erze wie Bleiglanz, Zinkblende und Kupferkies transportierten. In früheren Zeiten wurden diese Vererzung abgebaut. Zahlreiche Halden und Pingen entlang des Rheinsteigs sind Zeugen dieser Tätigkeiten. An weiteren Bruchzonen (z.B. bei Assmannshausen) stiegen Mineralwässer auf oder bildeten kohlensäurereiche Quellen.

In der folgenden Zeit wurde das Gebirge wieder abgetragen und eingeebnet. Während ab der Oberkreide der Oberrheingraben (auf einer Länge von 300 km) mitsamt dem Mainzer Becken absank, so dass das Meer zeitweilig aus dem Süden eindringen konnte, blieb das Rheinische Schiefergebirge Festland. Vor ca. 800.000 Jahren entstand durch eine beschleunigte Hebung des Rheinischen Schiefergebirges und/oder kaltzeitliche Meeresspiegelabsenkungen eine steile Talschlucht (Meyer & Stets 1998, Semmel 1999). Der Rhein schnitt sich tief in das Gebirge ein und akkumulierte in den wasserarmen Kaltzeiten an den Hängen des Flusstales Terrassenflächen mit schlecht sortiertem Schotter. In den Warmzeiten fand weiterhin eine Tiefenerosion in den Tälern statt.

Die devonischen Quarzite und Dachschiefer, die in den steilen Felswänden abgebaut wurden, dienten als Baumaterial der Burgen, zahlreicher Gebäude und Mauern. Die Burgen errichtete man auf halber Höhe auf felsigen Vorsprüngen. Während oberhalb des Engtales Ackerbau und Weidenutzung überwog, war an den steilen Hängen bei günstiger Exposition auf den wärmespeichernden Schieferverwitterungsböden Obst- und v.a. Weinanbau verbreitet.

Literatur:

Anderle, H.-J. (2008): Südtaunus. – In: Deutsche Stratigraphische Kommision (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland VIII. Devon. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 52: 118–130; Hannover.

Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. -- Sammlung geol. Führer: 89; Berlin, Stuttgart (Borntraeger).

Schraft, A. (2017): GeoTouren in Hessen – Geologische Streifzüge durch die schönsten Regionen Hessens, Bd. 1: Odenwald, Oberrheingraben und Taunus.– Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie; Wiesbaden.

Semmel, A. (1999): Landschaftsentwicklung am Oberen Mittelrhein. – In: Hoppe, A. & Steiniger, F. F. (Hrsg.): Exkursionen zu Geotopen in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie zu naturwissenschaftlichen Beobachtungspunkten Johann Wolfgang von Goethes in Böhmen. – Schriftenr. Dt. Geol. Ges., 8: 69–126; Hannover.

Sommermann, A. E. Meisl, S. & Todt, W. (1992): Zirkonalter von drei verschiedenen Metavulkaniten aus dem Südtaunus. – Geol. Jb. Hessen, 120: 67–76; Hessisches Landesamt für Bodenforschung; Wiesbaden.