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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Bohrprogramm 2020

Forschungsbohrung Riedstadt-Erfelden (Forschungsbohrung 2020)

Lage: Blatt 6116 Oppenheim, Riedstadt-Erfelden
Endteufe: max. 500 m
Start der Bohrung: voraussichtlich Juni 2020

Das Dezernat Geologische Grundlagen im HLNUG plant eine Lockergesteins-Kernbohrung im nördlichen Oberrheingraben in 2020 durchzuführen. Die Bohrtiefe wird bei max. 500 m liegen. Mit dem 500 Meter langen Bohrkern können nicht nur Fragen der Feinstratigraphie fluviatiler Abfolgen im Quartär des Oberrheingrabens, sondern auch Fragen zur Neotektonik weitaus besser als bisher geklärt werden. Aufgrund des neu erschlossenen hochauflösenden Datenmaterials werden auch anwendungsnahe Fragestellungen stimuliert, die auf die Nutzung und Bewirtschaftung des flachen und mitteltiefen Untergrunds im Rheingraben zielen.

Die Forschungsziele der Tiefbohrung sind wie folgt skizziert:

Mit der vollständig gekernten Forschungsbohrung im hessischen Teil des nördlichen Oberrheingrabens soll im Rahmen der Geologischen Grundlagen eine Vielzahl offener Fragestellungen im Zusammenhang mit fluviatilen, äolischen und limnisch-fluviatilen Archiven des Quartärs, damit insbesondere auch der Kalt- und Warmzeiten im Oberrheingraben, bearbeitet werden. Im Fokus steht daneben die Erforschung der Iffezheim-Formation, die vom Pliozän bis in das Unterpleistozän reicht und aus limnisch-fluviatilen Sedimenten besteht. Ziel ist die Erkundung der Basis der Iffezheim-Formation mit dem eindeutigen Erreichen der mittelmiozänen Weiterstadt-Formation.

Besondere Fragestellungen zur Mächtigkeit der quartären Abfolge, als auch zur Verteilung von bindigen und nicht bindigen Sedimenten im nördlichen Oberrheingraben ergaben sich aus der Auswertung des hessischen 3D-Modells des nördlichen Oberrheingrabens. Demnach leitet sich die Existenz einer mächtigeren Quartärabfolge im Rheingraben von Hessen ab, einer Schlüsselregion des Geosystems Alpen – Oberrheintal – Nordsee. Die Verifizierung des bestehenden 3D-Modells und ein möglichst durchgehender Kerngewinn in der Iffezheim-Formation sind die wichtigsten Ziele des Vorhabens. Bei der Durchteufung der Iffezheim-Formation ist insbesondere der Bereich von 300-350 m unter BAP (Bohransatzpunkt) von Interesse, da dort vmtl. die sandig-kiesigen Arvernensis-Schichten anzutreffen sind, die einen wichtigen regionalen Korrelationshorizont im nördlichen Oberrheingraben und Hanauer Becken darstellen.