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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Projekt der Überlandwerke Groß-Gerau GmbH: Tiefengeothermieprojekt Trebur

Seit dem Jahr 2007 betrieben die Überlandwerke Groß-Gerau GmbH (ÜWG) ein Projekt zur Gewinnung von Strom und Wärme aus einer bis zu 4.000 m tiefen Dublette (Förder- und Injektionsbohrung), die das hydrothermale Reservoir im Rotliegenden erschließen sollte. Nach intensiven 2D- und 3D-seismischen Untersuchungen wurde 2015 der Hauptbetriebsplan für die Bohrungen Trebur Gt1 und Trebur Gt2 beantragt und genehmigt. Nachdem Ende 2015 bereits die 100 m tiefen Standrohre für beide Bohrungen fertig gestellt waren, begannen im März 2016 die Bohrarbeiten der Bohrung Trebur Gt1. Das Projekt wurde begleitet durch eine bereits vor Antragstellung begonnene, intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Neben projektbegleitenden Gutachten und Stellungnahmen im Rahmen der Genehmigungsverfahren führte das HLNUG im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung eine vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL) finanzierte wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch, die u. a. zusätzliche geophysikalische Bohrlochmessungen und verschiedene Untersuchungen der Spülproben der Bohrung beinhaltete.

Bereits vor Beginn der Bohrung, während des Abteufens und bei dem späteren Betrieb stellte ein Monitoring von Messstellen in verschiedenen Grundwasserstockwerken eine ständige Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit sicher. Direkt am Bohrplatz wurden auf Empfehlung des HLNUG drei Grundwassermesstellen in verschiedenen Grundwasserstockwerken errichtet. Weiterhin wurden in das Monitoringprogramm acht Grundwassermessstellen des hessischen Landesgrundwasserdienstes im HLNUG aufgenommen, die durch ihre langjährige Beobachtungsdauer die Spannweiten der Schwankungen des Grundwasserspiegels und der chemischen Beschaffenheit im östlichen Zustrom zum Bohrplatz und im Grundwasserabstrom nach Westen lange vor Bohrbeginn erfassen konnten. Hierdurch waren Vergleiche und Rückschlüsse möglich, ob es bei der Bohrung oder beim Betrieb des Kraftwerkes zu Beeinflussungen des Grundwassers kommt.

Das HLNUG führte mit dem Projekt SiMoN+ darüber hinaus eine unabhängige seismische Überwachung zur schnellen Information der Öffentlichkeit über Seismizität bei hessischen Tiefengeothermie-Projekten durch.

Im Vorfeld der Bohrung hatte das Institut für Angewandte Geowissenschaften der Technischen Universität Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem HLNUG Radonmessungen in der Bodenluft bei Trebur durchgeführt, die der Erkundung der natürlichen Hintergrundsituation der Radonemanation dienten (Masterarbeit G. Kuhn, 2015: Radonmessungen in der Bodenluft bei Trebur einschließlich der Entwicklung eines standardisierten Messverfahrens zur Lokalisation von Verwerfungen). Weitere Messungen wurden während der Bohrung durchgeführt, um den in der Öffentlichkeit diskutierten möglichen Einfluss von Tiefengeothermieanlagen auf die Radonemanation des Bodens zu untersuchen.( siehe Vortrag beim 10. Hessischen Tiefengeothermieforum).

Am 12.06.2016 wurde die Endteufe von 3760 m (MD = measured depth, Bohrlochlänge) der Bohrung Trebur GT1 erreicht. Eine Analyse der angetroffenen Lithologien, der strukturgeologischen Situation im Reservoir und die hydraulische Auswertung von Reservoirtests im Zielhorizont in der Donnersberg-Formation zeigten, dass die Struktur hydraulisch undurchlässig und damit die Aufschlussbohrung Trebur GT1 für eine hydrothermale Nutzung nicht geeignet war. Daraufhin wurde nach Rückverfüllung des Bohrlochs bis in den Bereich der Pechelbronner Schichten bei 2670 m (MD) ein Sidetrack (Bohrlochablenkung), die Bohrung Trebur GT 1a, in östliche Richtung abgeteuft, deren Endteufe von 4.185 m in der Glan-Subgruppe des Rotliegenden am 17.08.2016 erreicht wurde. Eine Auswertung schleichender Spülungsverluste in durchbohrten Störungszonen und eines im offenen Bohrloch durchgeführten Injektionstests erbrachten nicht die gewünschte Gebirgsdurchlässigkeit. Nach Feststellung der wirtschaftlichen Nichtfündigkeit wurde das offene Bohrloch bis 3.322 m (MD) rückzementiert und mit einem Bohrlochabschluss versehen.

Am 26.09.2016 wurde das Projektende bekannt gegeben. Beim 11. Hessischen Tiefengeothermieforum wurde über den Projektverlauf und erste Ergebnisse informiert.