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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Weltnaturerbe Grube Messel

In der frühen Tertiärzeit, vor ca. 48 Mio. Jahren, gab es in der Nähe des heutigen Ortes Messel bei Darmstadt einen Vulkanausbruch. Als das heiße aufsteigende Magma aus dem Erdmantel in vielen 100 m Tiefe auf Grundwasser traf, kam es zu einer gewaltigen Wasserdampfexplosion. Durch diese entstand ein sehr tiefer Sprengtrichter, der sich nach und nach mit Wasser füllte. So entstand ein See, an dessen Boden sich langsam feines Sediment absetzte. Da in diesem Bodenbereich mangels Belüftung zunehmend weniger Sauerstoff vorhanden war, bildete sich Faulschlamm, der später zu dem so genannten Ölschiefer verfestigt wurde. Absinkende Tieren und Pflanzen oder deren Reste konnten in diesem Milieu nicht verwesen und so blieben sie oft vollständig erhalten.

Modell zur Entstehung der Ölschiefer-Vorkommen

Zu der damaligen Zeit lag Messel noch viel weiter südlich und war Teil eines tropischen Lebensraumes. Die große Anzahl an diversen Fossilfunden in diesem Ölschiefer belegt, dass hier ein ganzes Ökosystem überliefert ist. Die weltweite Einzigartigkeit der Fossilien führte dazu, das die Grube Messel nicht als Mülldeponie genutzt wurde, sondern – ganz im Gegenteil – 1995 in die Liste der UNESCO Weltnaturerbestätten aufgenommen wurde.

Exzellente und vollständige Wirbeltierskelette im anatomischen Verband, z.T. mit Haut- und Haarerhaltung, oder sogar den Mageninhalten, zeigen die Einmaligkeit der Fossillagerstätte. Viele der in Messel gefundenen Säugetierarten sind die ältesten Nachweise noch heute lebender Gruppen. Einer der Stars unter ihnen ist das Messeler Urpferdchen, das maximal schäferhundgroß wurde. An den Pferden kann man beispielhaft die explosionsartige  Entwicklung der Säugetiere nach dem Aussterben der Dinosaurier (vor ca. 66 Mio. Jahren) nachvollziehen, die eng mit Klimaveränderungen und Vegetationswechsel verbunden ist.
Die weltberühmten Fossilfunde vermitteln somit tiefe Einblicke in ein vergangenes Ökosystem. Sie lassen Rekonstruktionen der damaligen Lebewelt und ihrer vielen verschiedenen Bewohner wie Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel, Fische, Insekten usw. zu.