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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Geotope

Was sind Geotope?

Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile. Dabei kann es sich um natürliche oder vom Menschen geschaffene Aufschlüsse handeln, um Landschaftsformen oder um Erscheinungen, die das Wirken geologischer Kräfte und Spuren des fossilen Lebens zeigen.

Welche Geotope sind schutzwürdig?

Aus der Gesamtheit der Geotope sollen nur diejenigen geschützt werden, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. Die Erhaltung der Geotope erfordert, sie zugänglich zu machen und zu pflegen (Schutz durch Nutzung). Sie können insbesondere dann, wenn sie gefährdet sind und vergleichbare Geotope zum Ausgleich nicht zur Verfügung stehen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen. Um die Konflikte zwischen Geotopschutz und anderen Nutzungsansprüchen gering zu halten, können allerdings nur Objekte von besonderem fachlichem oder öffentlichem Interesse geschützt werden.

Was sind die Ziele des Geotopschutzes?

Ziel des Geotopschutzes ist die Erhaltung der Vielfalt geowissenschaftlicher Objekte und Landschaftsteile. Seit 1978 werden Geotope vom HLUG (damals noch Hessisches Landesamt für Bodenforschung) als geowissenschaftlich schutzwürdige Objekte erfasst und bewertet. Durch Verwitterung und Bewuchs sowie Baumaßnahmen können sie in ihrem Bestand gefährdet sein. Durch frühzeitige Absprachen werden Interessenkonflikte - etwa mit dem Rohstoffabbau oder dem Biotopschutz - im Hinblick auf die konkurrierenden Nutzungsansprüche in Einklang gebracht.

Wie werden Geotope in Hessen geschützt?

Die rechtliche Unterschutzstellung von Geotopen erfolgt in der Regel im Rahmen des Hessischen Naturschutzgesetzes als "Naturdenkmal", "Geschützter Landschaftsbestandteil" oder als "Naturschutzgebiet". Bei einzelnen Fossilfundstellen geschieht die Unterschutzstellung nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Viele der erfassten und auch schutzwürdigen Geotope sind noch nicht unter Schutz gestellt.

Welche Geotoptypen gibt es in Hessen?

Aufschlüsse

Aufschlüsse sind Freilegungen von Gesteinen und Böden, die durch natürliche (Hanganrisse, Felswände, Prallhänge, Kliffs und Bachprofile) oder anthropogene Prozesse (Steinbrüche, Ton-, Sand-, Kiesgruben, künstliche Böschungen, Hohlwege, Baugruben sowie untertägig durch Bergbau oder Bohrtechnik geschaffene Aufschlüsse) entstanden sind.

In Aufschlüssen können:


  • Gesteine,
  • Böden,
  • Mineralien,
  • Fossilien,
  • Lagerungsverhältnisse/ Tektonik oder
  • Sedimentstrukturen


freigelegt sein. Ferner können sie

  • Typlokalitäten darstellen.

Formen

Hierzu zählen alle Landschaftsformen und Bildungen an der Erdoberfläche, die durch natürliche Vorgänge entstanden oder im Verlauf der Erdgeschichte verändert worden sind. Künstliche Landschaftsformen werden – auch wenn sie natürlichen Gegebenheiten nachgebildet sind – nicht als Geotope eingestuft.

Formen werden untergliedert in:

  • Abtragungs- und Ablagerungsformen:
    fluviatile und gravitative,
    windbedingte,
    lösungsbedingte,
  • Verwitterungsbildungen,
  • Seen und Moore,
  • magmatische Bildungen,
  • Impaktbildungen (Einschläge von Meteoriten).

Quellen und Schwinden

Quellen sind örtlich begrenzte Grundwasseraustritte, unter Schwinden versteht man teilweise oder vollständige Versickerungen oder Versinkungen oberirdischer Gewässer in den Untergrund.


Woraus ergibt sich der Wert eines Geotops?

Die Bewertung eines Geotops erfolgt in zwei Stufen: Zunächst wird sein geowissenschaftlicher Gehalt auf der Grundlage fachspezifischer und statistischer Kennwerte ermittelt. Anschließend wird die Schutzbedürftigkeit anhand der Gefährdungssituation des Geotops und des Schutzstatus vergleichbarer Geotope festgestellt. Das Gesamtergebnis der Bewertung führt zu einer Einstufung der Schutzwürdigkeit des Geotops, woraus weiterer Handlungsbedarf für die Umsetzung des Bewertungsergebnisses entsteht.


Der geowissenschaftliche Wert eines Geotops ergibt sich aus:

  • allgemeiner geowissenschaftlicher Bedeutung
  • regionalgeologischer Bedeutung
  • öffentliche Bedeutung für Bildung, Forschung und Lehre
  • Erhaltungszustand
  • Anzahl gleichartiger Geotope in einer geologischen Region
  • Anzahl geologischer Regionen mit gleichartigen Geotopen

Die Schutzbedürftigkeit eines Geotops ergibt sich aus:

  • Gefährdungssituation des Geotops
  • Schutzstatus vergleichbarer Geotope