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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Gravitative Massenbewegungen (Rutschungen und Felsstürze)

Massenbewegungen sind durch die Schwerkraft bedingte, hangabwärts gerichtete Verlagerungen von Locker- oder Festgestein, die durch Veränderungen des Hanggleichgewichts ausgelöst werden. Dabei werden die treibenden Bewegungskräfte größer als die haltenden Kräfte. Gravitative Massenbewegungen sind in Hessen ein häufig anzutreffendes Phänomen. Felsstürze können an steilen Felswänden auftreten, wenn es zur plötzlichen Ablösung von Gesteinsmaterial, meist entlang von Trennflächen, kommt. Rutschungen sind in Hessen weit verbreitet und können auch an flacheren Hängen auftreten. Sie sind maßgeblich abhängig von geologischen (Lithologie und Trennflächengefüge), morphologischen und hydrologischen Faktoren (Wassergehalt, Wasserwegsamkeiten, Kluft- und Porenwasserdruck). Rutschungen treten häufig dann auf, wenn gut wasserwegsame Gesteinsschichten (z.B. Kalksteine, Basalte) auf wasserstauenden Schichten (z.B. Tone, Tonsteine oder Tonschiefer) lagern und die maßgebenden Trennflächen hangparallel oder flacher einfallen. Rutschungen konzentrieren sich auf bestimmte geologische Situationen. Typische Rutschhorizonte finden sich z. B. an der Grenze Unterer Muschelkalk/Röttonstein, Kalkstein/Tertiärton, Oberer/Mittlerer Muschelkalk oder Basalt/Tertiärton. Regional weit verbreitet sind ebenfalls Rutschungen in den paläozoischen Tonsteinen, Tonschiefern und Grauwacken des Rheinischen Schiefergebirges (Abb. 1–3).

Das Erkennen von Rutschungen erfolgt einerseits durch Begutachtung im Gelände, die Heranziehung von topographischen und geologischen Karten sowie der Analyse des digitalen Geländemodells, welches auf hochauflösenden LIDAR-Daten basiert.

Die Karte der rutschungsempfindlichen Schichten in Hessen weist Gebiete mit potentieller Rutschgefahr aus (Abb. 4).