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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Die Forschungsbohrung Schotten-Siechenhausen (Hoher Vogelsberg)

Die geplante Bohrung liegt im Zentrum des Vogelsbergs, im Nordost-Teil des bisher noch nicht bearbeiteten Geologischen Kartenblattes 5521 Gedern: Die Geologische Karte der GK25 Blatt Gedern ist zurzeit in Bearbeitung. Das gesamte Blattgebiet wird neben den Auflagernden Fließerden des Quartärs von tertiären Vulkaniten und Vulkaniklastiten eingenommen. Die Erfassung und Interpretation der tertiären vulkanischen Abfolge wird durch die weiträumige quartäre Überdeckung erschwert. Zur Klärung der Stratigraphie der basaltischen Abfolge wurde daher 2003 eine kartierbegleitende Bohrung abgeteuft.

Diese Bohrung hat für den Vogelsberg völlig neue Erkenntnisse gebracht (Nesbor & Wonik 2004). Es wurden nämlich nicht die erwarteten basaltischen Gesteine angetroffen, sondern 110 m mächtige pyroklastische Ablagerungen trachytischer Zusammensetzung. Diese stark zersetzten Gesteine füllen eine wahrscheinlich mehrere km2 große Hohlform (Krater oder kleine Caldera). Den Boden dieser Hohlform bedecken gut geschichtete trachytische und basaltische Pyroklastite. Darunter folgen hochverschweißte trachybasaltische Agglutinate.

Damit sind im Hohen Vogelsberg hochdifferenzierte trachytische Gesteine, wie sie z. B. in der Rhön verbreitet auftreten, erstmals in größerem Umfang nachgewiesen. Für die weitere Kartierung der Geologischen Karte GK25 Blatt Gedern und die Interpretation der geologischen Verhältnisse im Hohen Vogelsberg ist die räumliche Ausdehnung dieser calderaartigen Hohlform und die Mächtigkeit der Füllung von großer Bedeutung. Daher ist eine weitere Kernbohrung von ca. 150 m erforderlich.

Der Vogelsberg ist eines der wichtigsten hessischen Wassergewinnungsgebiete. Die sich abzeichnende Hohlform kann aus hydrogeologischer Sicht ein wesentlicher Bestandteil zum Verständnis des hydraulischen Systems sein. Weiterhin könnten im Bohrloch und an den Bohrkernen Tests zu Fragen der Geotermie vorgenommen werden.

Bohransatzpunkt (geplant)

Waldweg am NE-Hang Herchenhainer Höhe, ca. 1,5 km nördlich Herchenhain (siehe Lageplan), Blatt 5521 Gedern, R  351940, H 559570, ca. 680 m ü. NN.

Schichtenfolge (voraussichtlich)

Die Schichtenfolge wird ausschließlich aus Basalten und Tuffen bestehen.

Endteufe (geplant)

Die Endteufe der Bohrung soll bei ca. 150 m liegen.