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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Geowissenschaftliche Messstation darmstadtium (gemoda)

Die geowissenschaftliche Messstation im Kongresszentrum darmstadtium ist das Ergebnis von seit 2007 laufenden Bemühungen, geodynamische Bewegungen an der östlichen Hauptrandverwerfung des Oberrheingrabens zu erfassen und zu beschreiben.

Der Oberrheingraben ist das tektonisch und seismisch aktivste Gebiet in Hessen und gehört zu einem Bruchsystem, welches ganz Europa durchzieht. Die Schwächezone der Erdkruste ist Teil des „Europäischen Rift-Systems“ und reicht vom Mittelmeer (Südfrankreich) über weite Teile Mitteleuropas bis an die Nordsee (Niederlande). Sie ist die Ursache für die schwachen Erdbeben im Bereich des Oberrheingrabens und hier auch entlang der Hauptrandverwerfungen, von denen die östliche mitten durch Darmstadt verläuft und seit ca. 45 Mio. Jahren die kristallinen Gesteine (Granodiorit) des Odenwaldes gegen die Lockersedimente (Ton, Sand, Kies) des Oberrheingrabens versetzt werden.

Bei den Bauarbeiten für das darmstadtium wurde ein Teil der östlichen Hauptrandverwerfung in der damaligen Baugrube im Jahr 2004 freigelegt. In dieser Phase fruchteten Bemühungen des ehemaligen Amtsleiters des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung, Prof. Dr. Andreas Hoppe, zu dieser Zeit Leiter des Fachgebietes Geo-Ressourcen & Geo-Risiken am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Darmstadt, und Herrn Prof. Dr. Johann-Friedrich Wörner, zu dieser Zeit Präsident der TU Darmstadt, einen kleinen Bereich der in der Baugrube freigelegten östlichen Hauptrandverwerfung langfristig zugänglich zu machen.

Während zu Beginn lediglich ein Messgerät zur Erfassung mikrotektonischer Bewegungen installiert war, wurde das Instrumentarium im Nachgang zu erforderlichen Sanierungsmaßnahmen, an denen sich das HLNUG signifikant beteiligt hat, deutlich erweitert. So werden derzeit in Kooperation mit der TU Darmstadt und der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in der Messstation ein Extensometer, ein Radonmonitor, eine photogrammetrische 3D-Kamera sowie ein Seismometer betrieben. Neben der Webseite der geowissenschaftlichen Messstation sind Daten und Informationen auch auf einem interaktiven Monitor im Atrium des Kongresszentrums zugänglich.

Die Gerätschaft unterstützt u.a. das Messnetz des Hessischen Erdbebendienstes (HED) sowie die geowissenschaftliche Begleitung des Messprogramms zur Festlegung von Radonvorsorgegebieten.

Als Mitbetreiber hat der Geologische Landesdienst im HLNUG sich zum Ziel gesetzt, die in Europa einzigartige geowissenschaftliche Messstation dauerhaft nutzbar zu halten und kooperativ weiter zu entwickeln. Die Tür für weitere Partner und Forschungsansätze steht offen.