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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Geotope des Monats

Die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) kürt regelmäßig das Geotop des Monats, um erdgeschichtliches Wissen zu vermitteln und in den Blickpunkt zu rücken.

Folgende Hessische Geotope wurden bisher ausgewählt:

Naturdenkmal Wilde Saudeck bei Schotten-Sichenhausen

Als Geotop des Monats Januar 2021 hat die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) das Naturdenkmal Wilde Saudeck bei Schotten-Sichenhausen gekürt:

"Das Naturdenkmal „Wilde Saudeck“ liegt nördlich von Sichenhausen am 670 Meter hohen Rehberg, der wie ein Vulkankegel über dem Tal aufragt. Die heutige Form des Rehberges wurde durch Verwitterung der Kraterfüllung herauspräpariert, obwohl man aus der Ferne meinen könnte, dass die Bergkuppe ein einzelner Vulkankegel sei. Der Name „Wilde Saudeck“ soll darauf zurückzuführen sein, dass die Klippen in ihrem Aussehen dem borstigen Rücken von Wildschweinen ähneln.

Auffällig ist, dass der Geotop „Wilde Saudeck“ aus einem anderen Gestein als der Rehberg selbst besteht, der ein massiver vulkanischer Basanitkörper ist. Basanite gehören zu den jüngeren vulkanischen Produkten des Vogelsbergs mit einem Alter von etwa 16 Millionen Jahren. Eine Schautafel erläutert die Entstehungsgeschichte dieser beeindruckenden Felsklippen und der umgebenden Natur.

Am Fuß des Rehbergs entspringt die Nidder. Ganz in der Nähe lag einst die Wüstung Alt-Sichenhausen, die erstmals 1335 erwähnt und 1550 aufgegeben wurde."

„Lahnmarmor“ im Unica-Bruch in Villmar

Als Geotop des Monats Juni 2020 hat die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) den "Lahnmarmor" im Unica-Bruch in Villmar gekürt:

"Die polierte Wand des Unica-Bruchs in Villmar bietet Einblick in ein mitteldevonisches Stromatoporen-Riff. Das Riff entstand vor 380 Millionen Jahren im Umfeld erloschener Vulkane. Neben den Stromatoporen sind auch Korallen, Kopffüßler, Seelilien, Meeresschnecken sowie Brachiopoden und Ostrakoden zu erkennen.

Der nicht metamorphe Kalkstein wurde seit dem 16. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre unter dem Handelsnamen „Lahnmarmor“ abgebaut. Er wurde regional und überregional verbaut (z.B. im Dom zu Limburg, Mainz, Würzburg und Berlin sowie im Wiesbadener und Weilburger Schloss).

Er liegt im Nationalen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Sehenswert sind auch das Lahn-Marmor-Museum sowie der Lahn-Marmor-Weg durch den Ort Villmar."

 

Als Geotop des Monats Mai 2020 hat die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) den Steinbruch Hohenäcker bei Frankenberg gekürt.

Er ist für die Geowissenschaften von überregionaler Bedeutung, da hier die Sedimentgesteine der Stätteberg-Formation eindrucksvoll den ständigen Wechsel zwischen Landoberfläche und Meeresraum während eines kleinen Abschnitts der Erdgeschichte vor etwa 255-250 Millionen Jahren zeigen. Die Stätteberg-Formation ist eine randfazielle Ausbildung des Zechsteinmeeres während des Oberperms. Bekannt wurde der Steinbruch vor allen wegen der reichhaltigen Pflanzenreste (sog. „Frankenberger Kornähren“), vermutlich verkohlten Überresten einer durch Feuersbrünste verbrannten Fauna. Sie zeugen von einer Klimakatastrophe im Oberperm bei der drei Viertel aller Pflanzenarten auf der Erde verschwanden.

Der Geopark GrenzWelten hat 2018 im Eingangsbereich eine Geo-Station eingerichtet, mit Informationstafeln und Schaustücken. Auf einem beschilderten Rundweg durch das Bodendenkmal können sich die Besucher die verschiedenen Gesteinsschichten ansehen.

Schlackenagglomerat von Michelnau

Die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) hat das Schlackenagglomerat von Michelnau/Vogelsberg als Geotop des Monats Oktober 2019 ausgewählt.

Von einer Aussichtsplattform eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Steinbruchwände sowie einige Geräte (z.B. ein Holz-Derrick-Kran). Die intensiv rot gefärbten, verschweißten Wurfschlacken wurden jahrzehntelang als Naturwerkstein mit dem Handelsnamen "Michelnauer Tuff" vermarktet und auch für Bildhauerarbeiten verwendet.

Der Geotop liegt im Geopark Vulkanregion Vogelsberg und ist von einem Rundweg mit Aussichtsplattform aus einsehbar. Führungen in den Steinbruch werden vom Verein Freunde des Steinbruchs Michelnau e.V. angeboten.

Großer (Nasser) Wolkenbruch und Kleiner (Trockener) Wolkenbruch

Als Geotop des Monats Juni 2018 hat die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) das Naturdenkmal Großer (Nasser) Wolkenbruch und Kleiner (Trockener) Wolkenbruch bei Trendelburg gekürt:

"Der geheimnisvoll wirkende und sagenumwobene Große Wolkenbruch, auch Nasser Wolkenbruch genannt, ist eine trichterförmige Geländevertiefung, die auch als Erdfall oder Erdfalltrichter bezeichnet wird. Vierhundert Meter in westnordwestlicher Richtung hiervon entfernt gibt es einen zweiten Erdfalltrichter – den Kleinen (Trockenen) Wolkenbruch.

Beide Erdfälle liegen innerhalb der Solling-Folge des Mittleren Buntsandsteins im Norden des Reinhardswaldes. Sie sind eine Folge des Tiefenkarstes im Untergrund des Buntsandsteins.

Der Große Wolkenbruch ist mit seinem Durchmesser von 150 Metern eine imposante Erscheinung, die entfernt an einen Vulkankrater einschließlich Kratersee erinnert. Über die Gesamttiefe des Trichters gibt es verschiedene Angaben, die zwischen 47,5 und 60 Metern liegen. Da der Teich stagniert, er also keine nennenswerte Frischwasserzufuhr erhält, keinen Abfluss besitzt und auch keine Umwälzung der Wassersäule durch Wind erfolgen kann, finden schon knapp unter der Wasseroberfläche Fäulnis bildende (anaerobe) Prozesse statt, die sich durch einen unangenehmen Geruch bemerkbar machen.

Die beiden Erdfälle haben eine weit zurückreichende Entstehungsgeschichte: Das Zechsteinmeer hinterließ eine zyklische Abfolge von Karbonatgesteinen (Kalkstein und Dolomit), Sulfatgesteinen (Anhydrit und Gips) und Steinsalz mit Einschüben von dünnen Tonlagen. Darauf folgen rote festländische Sedimente des älteren Buntsandsteins. In der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit erreichte das Grundwasser die Sulfat- und Salzgesteine des Zechsteins im Untergrund. Diese wurden dabei örtlich aufgelöst und mit dem Grundwasser abgeführt. Dadurch wurden in einer Tiefe zwischen 900 m und 1300 m Hohlräume geschaffen und die darüber liegenden Buntsandstein-Schichten  kollabierten."

Weiterführende Literatur:

Herrmann, R. (1972): Über Erdfälle äußerst tiefen Ursprungs (Die „Wolkenbrüche“ bei Trendelburg und die „Meere“ bei Bad Pyrmont. – Notizbl. hess. L.-Amt Bodenforsch, 100: 177–193; Wiesbaden (HLfB).

 

Schafstein, Ehrenberg (Rhön) - Reulbach

Als Geotop des Monats November 2017 hat die Fachsektion GeoTope und GeoParks der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologischen Vereinigung (DGGV) das Naturdenkmal  Schafstein bei Ehrenberg/Rhön gekürt:

"Der Schafstein (831,8 m ü. NN) ist ein isolierter „Tafelberg“ in der Hohen Rhön, südlich von Reulbach. Das aus seiner Umgebung herauspräparierte Plateau verdankt seine Form einer hier ca. 40 bis 50 m mächtigen Alkalibasaltdecke. Sie überlagert einen Aschentuff, der seinerseits einer tonig-lehmigen Verwitterungsrinde des Muschelkalks aufliegt. Anstehendes Gestein ist am Schafstein allerdings nur untergeordnet anzutreffen. Lediglich an der Nordwest-Seite stehen basaltische Säulenstümpfe an. Die eigentliche Attraktion  des Schafsteins sind die imposanten Blockhalden, die den Berg ringförmig ummanteln. Sie gehören zu den eindrucksvollsten in ganz Mitteleuropa.

Entstanden ist das Blockmeer durch die Verwitterung während der letzten Kaltzeit. Die Frostsprengung hat die groben Säulen der Basaltdecke in Blöcke zerlegt. Der große Porenraum des Blockschutts ermöglicht eine Luftzirkulation im Hang des Schafsteins: Durch die Kaminwirkung wird im Winter unten kalte Luft angesaugt und auf Bergtemperatur erwärmt. Innerhalb der Halde bildet sich durch die Verdunstungskälte Eis und oben tritt relativ warme Luft aus. Im Sommer ist es genau umgekehrt. Die warme Luft strömt von oben in die Halde, wird auf Bergtemperatur abgekühlt, fällt dadurch nach unten und tritt am Fuß der Halde wieder aus. Nachdem auch an heißen Sommertagen noch Lufttemperaturen < 0 °C in der Halde gemessen wurden, ist davon auszugehen, dass der Fuß der Blockhalde am Schafstein im Inneren ganzjährig vereist ist."

Literatur:

Flick, H. & Schraft, A. (2013): Die Hessische Rhön – Geotope im Land der offenen Fernen. – Umwelt und Geologie: 312 S., zahlr. Abb., 2 Beil.; Wiesbaden (HLUG).

Jenrich, J. (2007): Die Wasserkuppe. Ein Berg mit Geschichte. – 408 S., zahlr. Abb. u. Tab.; Fulda (Parzeller).

Laemmlen, M. (1994): Schutzwürdige geologische Objekte in der Rhön (Exkursion H1 am 8. und (Exkursion H2 am 9. April 1994). – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 76: 199–217, 8 Abb.; Stuttgart.