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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Felsenmeer bei Lautertal (Odenwald)

Das Natur- und Kulturdenkmal Felsenmeer auf dem Felsberg 1 km nördlich von Lautertal-Reichenbach ist eines der ausdrucks­vollsten Geotope des UNESCO Geoparks Bergstraße-Odenwald. Der 514 m hohe Felsberg liegt im Bergsträßer Odenwald, dem westlichen Teil des kristallinen Odenwalds, der zur Mitteldeutschen Kristallinschwelle gehört. Er wird durch die Nord-Süd-verlaufende Otzberg-Störung vom Böllsteiner Odenwald getrennt.

 

Die Felsenmeere am Felsberg bestehen aus dicht gepackten, gerundeten Quarzdiorit-Blöcken. Quarzdiorit ist ein magmatisches Gestein, das im Unterkarbon vor ca. 350 Millionen Jahre als Intrusivkörper aufdrang und 12- 15 km unterhalb der damaligen Erdoberfläche langsam abkühlte und auskristallisierte. Erst im Tertiär waren die überlagernden Gesteinsschichten komplett abgetragen, so dass der Quarzdiorit unter subtropischem, feuchtwarmen Klima der Verwitterung ausgesetzt war. Durch die zunehmende Druckentlastung waren Risse entstanden, das Gestein zerfiel in große Blöcke mit konzentrischen Schalen (Wollsackverwitterung). Während der letzten Kaltzeit kam es auf Permafrostboden zu Bodenfließen, der Gesteinsgrus zwischen den Blöcken wurde weggespült und die freigelegten Blöcke bewegten sich besonders an der Südostflanke des Felsbergs langsam hangabwärts. Das Felsenmeer prägt nun mit einer Länge von mehr als 2 km und einer Breite bis zu 100 m eindrucksvoll das heutige Landschaftsbild, das damit ein beliebtes Naherholungsgebiet und Ausflugsziel für Familien und Wanderer ist (Schraft 2017).

 

Aber auch kulturhistorisch hat das Felsenmeer einiges zu bieten. Es wurde seit der Römerzeit und später durch die örtlichen Steinmetze zur Steingewinnung („Felsberg-Granit“) genutzt (Plösser 1993). Zahlreiche bearbeitete, unfertige oder beschädigte Werksteine (z.B. eine über 9 m lange Riesensäule) sind entlang der Wanderwege zu bestaunen. Der „Felsberg-Granit“ wurde unter anderem am Brunnenhaus im Heidelberger Schlosses, am Wasserbecken am Schillerplatz in Mainz und am Oppenheimer Kriegerdenkmal verwendet.

 

Im Felsenmeer-Informationszentrum kann man alles Wissenswerte über den UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald, den Felsberg, das Felsenmeer und dessen Entstehungsgeschichte in Erfahrung bringen.

Literatur

Kött, A. (in press): Die “Nationalen Geotope“ in Hessen.— In: Greb, H. & Röhling, H.-G. (Hrsg.) GeoTop 2021. Geotourismus — echte Chance oder Hype für eine nachhaltige Regionalentwicklung? — Schriftenr. Dt. Geowiss., 95; Berlin

Plösser, H. (1993): Der Felsberg im Odenwald – Felsenmeere und die (römischen) Werkstätten der Granitsteinindustrie. – Ober-Ramstadt (Odenwald-Verlag).

Schraft, A. (2017): GeoTouren in Hessen – Geologische Streifzüge durch die schönsten Regionen Hessens, Bd. 1: Odenwald, Oberrheingraben und Taunus.– Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie; Wiesbaden.