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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Forschungsbohrung Viernheim

Forschungsprojekt Heidelberger Becken

Von Januar bis Juni 2006 wurde im hessischen Staatswald nördlich von Viernheim im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) eine 350 m tiefe Forschungsbohrung durchgeführt (Lageplan).

Bohrlokation

Die gewählte Bohrlokation befindet sich im Heidelberger Becken, das - als Teil des Oberrheingrabens - in der jüngeren Erdgeschichte besonders stark abgesunken ist. In diesem Ablagerungsraum wurden auch die Sedimente des quartären Eiszeitalters abgelagert. Der Bohrkern repräsentiert daher die Gesteine der letzten gut 2 Millionen Jahre der Erdgeschichte. Vor allem die häufigen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten in den Sedimentablagerungen des Heidelberger Beckens finden sich in den erbohrten Kernen wieder. (Schematischer Profilaufbau)

Die starke Absenkung in diesem Gebiet ermöglichte eine relativ vollständige Ablagerung der Sedimentschichten mit einer entsprechend hohen Auflösung. Die überlieferten Kies-, Sand-, Schluff-, Ton- und Torflagen geben daher vermutlich entscheidende Hinweise zur Klimaentwicklung der jüngeren Erdgeschichte in Mitteleuropa. Die Quartärbasis wurde bei einer Tiefe von 225 m erreicht.

 

Informationstafel

Eine Informationstafel an der Bohrstelle informiert interessierte Bürger über die Aktivitäten im Wald nördlich von Viernheim.




Forschungsumfeld

Die Untersuchungen stehen im engen Zusammenhang mit einer Bohrung, die derzeit im Stadtgebiet von Heidelberg durchgeführt wird. Hier liegt die geplante Endteufe bei 500 m. Zwei zusätzliche Kernbohrungen kommen aus dem Bereich Ludwigshafen-Parkinsel. Das Kernmaterial dieser 300 m tiefen Bohrungen wird dem Gesamtprojekt zur Verfügung gestellt.Bei den genannten Aktivitäten besteht eine enge Zusammenarbeit der Geologischen Dienste in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover.

Durch die Kernmaterialien der drei Bohrungen soll ein Informationsdreieck für das Heidelberger Becken aufgebaut werden. Dazu ist ein wissenschaftliches Untersuchungsprogramm geplant, das neben den oben genannten Instituten durch Forschungsprojekte an verschiedenen Universitäten ergänzt werden soll. Zu den Forschungseinrichtungen zählen u. a. die Hochschulen in Darmstadt, Heidelberg, Mainz, Freiburg, Karlsruhe und Bonn sowie das Max-Planck-Institut in Heidelberg. Eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist geplant.

Ziele

Die wissenschaftlichen Ziele des gesamten Forschungsprogramms bestehen neben dem Schwerpunkt zur Klimaentwicklung im Quartär, u. a. auch in neuen Erkenntnissen zur tektonischen Entwicklung des nördlichen Oberrheingrabens, zu Liefergebieten der Sande und Kiese und zur zeitlichen Stellung der abgelagerten Sedimente. Das Heidelberger Becken ist für diese Untersuchungen besonders gut geeignet, da die hier erwarteten hoch aufgelösten Sedimente in einer Schlüsselregion liegen, die das alpine mit dem nordischen Vereisungsgebiet verbindet.

Die gewonnen Erkenntnisse werden auch wichtige Hinweise zu angewandten Fragestellungen im Bereich der Grundwassererkundung (Hydrogeologie) und Geothermie geben.