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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Natursteine und Naturwerksteine in Hessen

Hessen ist reich an sehr unterschiedlichen Natursteinen und Naturwerksteinen. Es sind natürliche Hartgesteine wie z.B. Granit, Gneis, Basalt, Metabasalt (alter Bergmannsbegriff „Diabas“), Gabbro, Quarzit, Grauwacke, Sandstein, aber auch mitunter Kalkstein. Die Vielfalt an Hartgesteinen ist durch unterschiedlichste geologische Entstehungsprozesse bedingt.

Hessen verfügt wegen seiner geologischen Entstehungsgeschichte über die größte Verbreitung an Basalten unterschiedlichster Rohstoffqualität in Deutschland. Allein 12 % der hessischen Landesfläche werden von Basalt eingenommen. Der Vogelsberg als größter zusammenhängender Vulkankomplex Europas liegt komplett in Hessen.

Aufgrund ihrer dezentralen Verbreitung sind sie in vielen Regionen des Landes verbrauchernah verfügbar. Mit Ausnahme der topographisch flachen Regionen an Rhein und Main in Südhessen (siehe Karte), ist Hessen mit seinem großen Mittelgebirgsanteil reich an den oben genannten Hartgesteinen, auf die ausführlich im Fachbericht Natursteine und Naturwerksteine eingegangen wird.

Auf die Schwerpunktregionen der Gewinnung von Natursteinen und Naturwerksteinen soll aber auch hier kurz eingegangen werden. Kristalline Gesteine wie die magmatischen Tiefengesteine Granit, Granodiorit, Diorit und Gabbro sowie metamorphe Gesteine wie Gneis treten im westlichen Teil des Odenwaldes und innerhalb des Taunuskammes (Taunusquarzit und Serizitgneis) auf, wo diese auch abgebaut werden.

Nordwestlich von Wetzlar und im Raum Dillenburg gibt es geologische Strukturen innerhalb des Rheinischen Schiefergebirges, wo Diabas abgebaut wird, aber auch in der Vergangenheit der überregional bekannte „Lahnmarmor“ (Riffkalkstein des Devonzeitalters) gewonnen wurde.

Schwerpunktregionen für den Abbau von jungen, tertärzeitlichen Basalten sind die ballungsraumnahen Randbereiche des Vogelsberges, die sich nördlich anschließende Niederhessische Senke, u.a. mit Knüllgebirge und Habichtswald, und die Rhön. In der Rhön werden zudem Phonolithe gewonnen.

Im östlichen Odenwald und im Raum Friedewald konzentriert sich der Abbau von Sandsteinen als Naturwerkstein.

Auf Grund der Vielzahl natürlicher Hartgesteine in Hessen kann es nicht verwundern, dass Natursteine und Naturwerksteine mit einer Jahresförderung von 19,6 Mio. t (Stand: 2016) noch vor Sanden und Kiesen die wichtigste Rohstoffgruppe im Land sind. Auch die mit Abstand meisten Gewinnungsstellen in Hessen bauen Hartgesteine ab.

Hauptgründe für Qualitätsunterschiede von Hartgesteinen sind u.a. der Mineralbestand, das Korngefüge, d.h. die Art und Weise der Mineralbindung und Mineralorientierung. Hieraus leiten sich die grundlegenden Materialeigenschaften des Gesteins wie z.B. Dichte, Porosität, oder Wasseraufnahmefähigkeit, Härte, Druck- und Biegefestigkeit, aber auch Verwitterungs-, Frost- und Hitzebeständigkeit ab. Je nach Verwendung von Natursteinen und Naturwerksteinen spielen unterschiedliche Materialeigenschaften eine wichtige Rolle.

Mehr als 95% der geförderten Hartsteine in Hessen werden zu Naturstein, d.h. zu gebrochenen und gemahlenen Hartsteinprodukten wie Schotter, Splitt, Edelsplitt, Brechsand, Edelbrechsand, Gesteinsmehl (Füller), Steinwolle als Dämmstoff und zu korngestuften Mineralstoff-Gemischen etc. verarbeitet. Des Weiteren werden Ufer-, Wasserbau- und Schüttsteine, Schrotten (grobe, unklassierte Gesteinsstücke) und Kunststein wie z.B. Betonstein produziert. Haupteinsatzgebiet ist die Bauindustrie. Für die Erstellung und Erhaltung der Infrastruktur sind diese natürlichen Grundstoffe unentbehrlich. Aber auch in der Düngemittelindustrie, der Trinkwasseraufbereitung oder der keramischen Industrie findet Naturstein als Gesteinsmehl Verwendung.

Naturwerksteine sind, wie der Name schon andeutet, bearbeitete Hartgesteine. Sie werden überwiegend im Bau- und Monumentbereich eingesetzt, so u.a. als Pflasterstein im Straßenbau, als Block- und Bruchstein im Mauerbau, in Form von Naturstein-Platten für Außen- wie Innenfassaden, als Fensterbänke und Treppenstufen, Fliesen für Fußböden oder Kaminverkleidungen, für Grabsteine und Denkmäler sowie für Skulpturen etc..

Die Benennung des Naturwerksteins erfolgt nach einer auf das Steingewerbe und den Handel ausgerichteten kommerziellen Nomenklatur. Diese Handelsnamen basieren auf natürlichen Variationen innerhalb einer Gesteinsart, z.B. hinsichtlich ihrer Farbe, Größe und Anordnung der Gesteinsbestandteile, ihres Erhaltungszustandes, ihrer technischen Eigenschaften oder ihrer Herkunft. Teilweise sind auch wohlklingende Fantasie-Namen gebräuchlich.

Im Gegensatz zum Abbau von Naturstein zur Schotter- und Splittherstellung ist der Abbau zu Zwecken der Naturwerksteingewinnung infolge der Globalisierung insbesondere durch Billigkonkurrenten aus Asien nahezu zum Erliegen gekommen.

Bereits die Römer haben im Odenwald Naturwerkstein gebrochen und bearbeitet. In der jüngeren Vergangenheit besaß devonischer Massenkalk als Naturwerkstein im Lahn-Gebiet mit Zentrum bei Villmar z.T. internationale Bedeutung. Der hier in unterschiedlichsten Farbtypen abgebaute und bearbeitete „Lahnmarmor“ kam u.a. für die Innenauskleidung des Empire State Building (New York, USA) zum Einsatz.